Die Nacht so klar

Motette mit dem Posaunenchor

Tübingen. Über 600 Besucher lockte der Tübinger Posaunenchor unter Leitung von Martin Riehle in die Stiftskirchen-Motette zum Zweiten Advent (Liturgie: Hochschulpfarrer Michael Seibt). Wie schon bei den Advents-Auftritten des Posaunenchors in den Vorjahren blieb im voll besetzten Mittelschiff wieder kein Platz frei. Die rund 50 Bläser eröffneten in feierlich majestätischer Pracht mit dem Chorsatz „Denn die Herrlichkeit Gottes“ aus Händels „Messias“: ein klangmächtiges Ensemble aus Trompeten, Hörnern, Posaunen, Baritonen, Euphonium und Tuba. Traditionell haben die Nachwuchsbläser des Posaunenchors in der Advents-Motette ihren eigenen Auftritt. Dieses Jahr stellten sie sich mit drei hübschen „Kleinen Spielstücken“ von Landesposaunenwart Hans-Ulrich Nonnenmann vor, der an der Tübinger Kirchenmusikhochschule unterrichtet. Ganze drei Lieder durfte die Motetten-Gemeinde anstimmen, strophenweise begleitet von Bläsern und Orgel. Vorangestellt waren stimmungsvolle Choralfantasien für Posaunenchor. So untermalten Michael Schütz und auch Matthias Nagel „Es kommt ein Schiff geladen“ mit maritimen Seegang-Läufen. Auch bei zwei Choralvorspielen von Bach traten Orgel und Posaunenchor in einen Dialog: hier „Gottes Sohn ist kommen“ in festlicher Blech-Besetzung, dort „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 659, das Organistin Dorothea Mohr-Sigel an der Stiftskirchenorgel spielte.
Gab es in den letztjährigen Advents-Programmen des Posaunenchor immer auch Spirituals und Poppiges, erklang diesmal ein weitgehend barockes und zeitgenössisch-symphonisches Repertoire. Anspruchsvoll war eine fünfstimmige Sonate von Johann Heinrich Schmelzer mit fugiertem Mittelteil. Drei Versus-Sätze aus Brahms‘ Motette „O Heiland, reiß die Himmel auf‘ op. 74/2 machten sich gut in Hans-Ulrich Nonnenmanns Übertragung für Blechbläser.
Eine schöne Idee war es, zwischendurch eine kleine Besetzung spielen zu lassen, so bei einer vorklassischen Pastorella von Johann Anton Kobrich mit herzhaft schmetternden Hörnern. Eins der beeindruckendsten Stücke im Programm war eine düster bildstarke Choralfantasie über „Die Nacht ist vorgedrungen“ des 1976 geborenen Weimarer Posaunen-Professors Christian Sprenger. Überhaupt scheint sich die jüngere Komponistengeneration heute verstärkt für Posaunenchor-Besetzung zu interessieren, darunter die 1973 geborene Stuttgarterin Anne Weckeßer, im Programm vertreten mit dem fünfstimmigen Bläserstück „Niemals war die Nacht so klar“ (2011).
Der Bogen schloss am Ende wieder mit Händel: In Bernd Lechlas Bearbeitung „Freue dich Welt, der Herr ist da“ wurden die Händel- Sätze „Joy to the world“ und „Tochter Zion“ zu einem regelrechten Festkonzert. Zuletzt reihten sich die Nachwuchsbläser in den Posaunenchor ein und alle stimmten gemeinsam den Schlusschor aus Saint-Saens‘ „Oratorio de Noel“ an.

Text der Kritik aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 06.12.2011

Mit freundlicher Genehmigung des Autors